05.06.2008

Andreas Lange soll in Zukunft im Wohnpark Am Glunzbusch menschliche Kontakte fördern

BESTENSEE - Das Schlafzimmer wird ein Gruppenraum, das Wohnzimmer eine Krabbelwiese. Andreas Lange streift durch die noch etwas hohl klingenden Räume der Drei-Zimmer-Wohnung in der Friedenstraße 7c. Den großen roten Plastikschlüssel hat er mal kurz abgesetzt. „Es ist alles noch ein bisschen provisorisch“, sagt er mit seiner vorsichtigen Stimme. Einen Manager hat man sich anders vorgestellt.

Aber so lautet nun mal sein offizieller Titel: „Wohnparkmanager“. Die örtliche Wohnungsgesellschaft DKB hat sich den Posten ausgedacht, und gestern hat der 42-Jährige sein Manager-Büro im größten Wohngebiet des Unternehmens Am Glunzbusch in Bestensee bezogen. Andreas Lange soll die menschlichen Kontakte im „Quartier“ fördern, Streitschlichter bei Nachbarschafts-Hahnekämpfen sein und für die unterschiedlichsten Mieter-Probleme ein offenes Ohr haben. Drei Tage die Woche ist Lange ab jetzt in der Friedenstraße für sie da.

Management. Das klingt nach Verantwortung, nach Effizienz, nach Organisation. Und tatsächlich soll hier etwas verwaltet werden, was besonders in großflächigen, anonymen Wohnanlagen sonst eher selten im Mittelpunkt steht: Die menschliche Gemeinschaft.

Die DKB hat sich dafür einen Partner geholt, der sich mit auskennt. Andreas Lange ist Mitarbeiter des Diakonischen Werks des Kirchenkreises Lübben und studierter Psychologe. Konfliktmanagement stand schon in der Technischen Universität in Berlin auf seinem Stundenplan, jetzt will er das akademische Wissen Am Glunzbusch anwenden. „Die Mieter zu aktivieren ist die größte Herausforderung“, sagt der zurückhaltende Mann mit der silbernen Brille. „Aber vor allem ältere Menschen vermissen die Gemeinschaft.“ Das hat Lange bei seiner Fragebogen-Aktion herausgefunden. Er hat nachgeforscht, was die Mieter sich wünschen, wo sie Hilfe brauchen. „Viele hätten gerne einen Bolzplatz für die Jugend, aber es gibt auch Interesse an Hilfe bei der Erziehung und Vermittlung zwischen Mietern und Vermietern.“

In den nächsten Wochen will Lange losziehen und Mieter für seine Angebote begeistern. Vier Gruppen hat er schon vorbereitet: einen Krabbel- und einen Spielkreis, einen Treff für Alleinerziehende und einen für Senioren. Nun plant er die Hobbygruppen: „Ich dachte an Schach und Modelleisenbahnbauen“, sagt er.

Anfangs wird er die Gruppen anleiten, später sollen sie „Selbstläufer“ werden. Die Mieter können über das Angebot frei entscheiden. Nur ein persönliches Anliegen hat der Psychologe: „Wir lesen heute viel zu selten. Am liebsten würde ich einen Literaturkreis gründen.“ (Von Sarah Schaschek)

Märkische Allgemeine Zeitung vom 05.06.2008, Lokalteil Dahme-Spreewald