06.05.2008

In Elstal können Kunden im Auto bleiben, wenn sie Medikamente kaufen

Blumen zur Eröffnung der Drive-In-Apotheke in ElstalELSTAL - Der moderne Mensch hat’s eilig und neigt zur Faulheit. Zwei Gründe, die für die Idee von Christoph Kopsch sprechen. Kunden können nun in Elstal bei dem 42-Jährigen Tabletten, Hustensaft und Pflaster bekommen, ohne dass sie ihr Auto verlassen müssen. An der Rosa-Luxemburg-Allee ist Brandenburgs erster McDrive für Medikamente entstanden.

Kopsch sagt lieber Apo-Drive, wobei er nicht leugnet, dass sein Konzept mit dem einer amerikanischen Fast-Food-Kette Ähnlichkeiten hat. „Wir haben jedoch einen Vorteil, wir müssen nicht kochen“, witzelt der Apotheker. Ansonsten gilt: Der Kunde fährt im Pkw vor, kommuniziert mit der Gegensprechanlage, rollt zum Ausgabefenster, bezahlt, nimmt seine Pillen entgegen und fertig.

Christoph Kopsch, der auch in Spandau auf klassischem Wege Medikamente verkauft, hat sich in Elstal einen Traum erfüllt. Schon als er dort im Winter 2006 ins neu gebaute Nahversorgungszentrum als Mieter einzog, stand das mit der Drive-Apotheke fest. „Da hatte ich schon die Genehmigung des Gesundheitsamtes, als Erster in Berlin und Brandenburg“, verrät er. Er musste damals nachweisen, dass die Medikamente direkt aus dem Laden heraus an die Autofahrer ausgereicht werden. „Warum das so ist, weiß ich auch nicht“, sagt er. Dann dauerte es ein Weilchen, bis die Baugenehmigung durch war. Grundstücke mussten zusammengelegt werden, damit eine Wendeschleife errichtet werden konnte. Darum kümmerte sich die DKB Wohnungsgesellschaft Berlin-Brandenburg, die das Elstaler Dienstleistungzentrum verwaltet.

Für etwa 7000 Euro baute Kopsch dann das Ausgabefenster ein. Nun sind er und seine vier Mitarbeiter gespannt darauf, wie die Sache von den „trägen Mitmenschen“ angenommen wird. Spaß beiseite. Wirkliche Vorteile sieht der Apotheker etwa für gehbehinderte Menschen, die nicht mehr extra aus dem Auto steigen müssen, um Medikamente abzuholen. Leute, die wenig Zeit haben, will er ebenso erreichen, wie Urlauber, denen auf dem Weg über die B 5 einfällt, dass noch was in der Reiseapotheke fehlt.

Zwei Prozent seines Jahresumsatzes, so hofft Kopsch, will er mit dem Apo-Drive machen. „Heute braucht man 1,5 Millionen Euro Umsatz, damit eine Apotheke wirtschaftlich ist. Als ich 1994 anfing, waren es 600 000 Euro“, plaudert er aus dem Nähkästchen. Seit damals hat sich manches verändert: die Gesetze, die Kunden, die zur Internetkonkurrenz abwanderten. Kein Wunder, dass das Besondere gefragt ist. Eine Medikamentenausgabe für Mobile zählt im Moment dazu.

Der Elstaler Rudi Weihs wird dieses Angebot nicht mehr testen. „Ich bin 86 Jahre alt und fahre kein Auto mehr“, sagte er und betrat die Apotheke mit einem Rezept in der Hand. Ganz klassisch. (Von Anke Fiebranz)

Märkische Allgemeine Zeitung 06.05.2008